Das Märchen vom Schüchternheitsgen

Blogged in schüchtern Montag Juni 8, 2009 at about 14:54

Vor einigen Jahren als ich noch sehr schüchtern war, redete ich mir Dinge ein wie “Du bist eben schüchtern.” oder “Meine Eltern waren auch schüchtern, also ist es nur logisch, dass ich es auch bin.” Inzwischen habe ich eingesehen, dass dieses Denken Unsinn ist und eine große Einschränkung der eigenen Entwicklung zur Folge hat.

Es ist besonders hinderlich, wenn man seine Schüchternheit überwinden will. Die meisten Menschen sagen solche Dinge, weil sie sich nach einer Entschuldigung oder Erklärung für ihre Schüchternheit sehnen. Falls Sie dazugehören, müssen Sie damit sofort aufhören, denn sonst verstärken Sie Ihre Schüchternheit damit.

Vielleicht ist Ihnen der Begriff “Affirmation” schon begegnet. Eine Affirmation ist ein Satz, der oft wiederholt wird, um sich selbst zu beeinflussen und etwas Bestimmtes zu erreichen. Ein Beispiel für einen solchen Satz ist “Ich werde jeden Tag besser und besser.” Das ist eine positive Affirmation. Eine negative hingegen ist “Ich bin eben schüchtern.” Hören Sie sofort damit auf solche Dinge zu sich zu sagen.

Nur weil Ihre Eltern schüchtern waren heißt das noch lange nicht, dass Sie es auch werden. Schüchterheit ist keine ansteckende Krankheit. Und kein Mensch wird schüchtern geboren. Es gibt kein Schüchternheitsgen. Der Satz: “Ich bin schüchtern.” ist die größte Ausrede,der Leute (ich habe sie leider auch benutzt…), die nicht wachsen und mehr aus sich machen wollen. Ihre Einstellung und die Art und Weise wie Sie mit sich reden, ist entscheidend, um Ihre Schüchternheit überwinden zu können.

Schüchternheit ist keine Charaktereigenschaft, sondern eine bestimmte, angelernte Verhaltensweise. Sie haben immer die Wahl wie Sie sich verhalten. Wenn wir geboren werden, besitzen wir nur zwei Ängste: Die Angst vor dem Fallen und die Angst vor lauten Geräuschen. Alle anderen Ängste sind erlernt. Manche davon sind nützlich, aber die meisten werden uns von außen aufgezwungen. Wir werden ständig von unseren Freunden, unseren Eltern und den Medien beeinflusst.

In einer amerikanischen Studie fand man heraus, dass erwachsene Menschen die Angst vor öffentlichem Reden höher bewerten als die Angst vor dem Tod. Das heißt, die meisten Menschen fürchten sich mehr davor vor einer Gruppe von 50 Leuten zu sprechen als zu sterben. Das ist völlig unlogisch und absurd. Doch das ist nur ein Beispiel von einer erlernten und überhöhten Angst, die nicht hilfreich ist und uns im Wege steht. Um Ihre Schüchternheit überwinden zu können, sollten Sie deshalb bewusst werden, dass viele andere Menschen diesselbe Angst haben und das es durch eigene Anstrengung möglich ist seine Schüchternheit für immer loszuwerden.

“Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht.”

Michel de Montaigne

Wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie feststellen, dass wir alle selbstbewusst geboren wurden. Oder haben Sie nach Ihrer Geburt gedacht: “Oh, nein. Ich bin nackt und alle sehen es. Und ich bin doch so schüchtern.” Kinder sind von Natur aus selbstbewusst und bereit die Welt um sie herum zu entdecken.

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